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© Aargauer Zeitung /07.11.2003; Seite 1

Aarau

Das Öl als ein zentrales Motiv

AARAU · Der Journalist Andreas Zumach referierte am «Forum für Zeitzeugen»

Andreas Zumach referierte am «Forum für Zeitzeugen» in der vollbesetzten Aula der Alten Kantonsschule zum Thema: «Präventivkrieg als Dauerzustand oder Rückkehr zum Völkerrecht? Das Beispiel Irak.»

Andreas Zumach, international bekannter Journalist mit Sitz in Genf, machte bei seinen Ausführungen eineTour d’Horizon durch die Konfliktherde der Welt. Die aktuelle Situation im Irak zeichnete er in düsteren Farben, besonders nachdem die UNO ihre letzten 20 Beobachter abziehen werde und auch das IKRK sich nach dem Attentat der vergangenen Woche mit dem Gedanken trägt, ihre Mitarbeiter zurückzuziehen.

Weit verbreiteter Unmut

Solange die USA und Grossbritannien die Besatzung im Irak bilden, so seine Analyse, werde es keinen Frieden im Land geben. Zumach untermauerte seine Aussage mit dem Verweis auf den weit verbreiteten Unmut in der irakischen Bevölkerung. Ursachen hierfür seien die Kriegszerstörungen, die verschleierten Opferzahlen und der rüde Ton der Besatzer. 80 000 Soldaten, die zwei Tage vor Kriegsbeginn noch gelebt haben, seien spurlos verschwunden. Rund 60 000 Soldaten seien mit grösster Wahrscheinlichkeit durch die Bombardierung ihrer Unterkünfte umgekommen. Die 18- bis 21-jährigen, völlig unerfahrenen US-Soldaten, zumeist aus der Unterschicht, seien nicht ausgebildet für die Situation. Fünf Monate nach der Bombardierung ist das Versorgungsniveau immer noch völlig unzureichend. Der Bedarf an Wasser, Licht und Strom konnte bis heute nicht gedeckt und auf den Vorkriegsstand gebracht werden. Das UN-Programm «Öl für Nahrungsmittel» wird in den nächsten Wochen auslaufen. Somit werden 40 000 Beschäftigte, die die Feinverteilung der Nahrungsmittel vorgenommen haben, ihre Arbeit verlieren.

Eine historische Herausforderung

In einem zweiten Teil seines Referates äusserte sich Andreas Zumach zum Problem des Präventivkrieges. Die neue US-Doktrin des Präventivkrieges stehe im Widerspruch zu jedem internationalen Recht und sei ein negatives Vorbild für andere Konflikte.

Aber nicht nur Amerika, sondern auch die EU habe neuerdings eine sicherheitspolitische Doktrin, die einen Präventiveinsatz mit militärischen Mitteln erlaube. Die eindeutige Anbindung an die UNO-Charta wurde aufgegeben. Nach Auffassung von Zumach steht die Welt vor einer besonderen historischen Herausforderung, vergleichbar mit der Situation von 1919 und 1945. Nach dem Zusammenbruch der Machtblöcke gäbe es keine Machtbalance mehr. Auf die Frage, ob diese Balance für eine stabile Völkerrechtsordnung wieder hergestellt werden muss, hält er Alternativen für möglich. Es gelte, Gegenstrategien zu entwickeln. Als Erstes müssten die Staaten in der Generalversammlung der UNO den Krieg gegen den Irak in einer Resolution als völkerrechtswidrig verurteilen.

Von besonderer Bedeutung für die Zukunft stufte Zumach die Energiefrage ein. Auf die Frage, warum der Krieg so und warum er jetzt geführt wurde, könne keine monokausale Antwort gegeben werden. Die offizielle Begründung mit dem Hinweis auf die Massenvernichtungswaffen habe sich zu 99 Prozent als Lüge erwiesen.

Eines der zentralen Motive sei das Öl gewesen. Der Irak habe grosse, leicht zu fördernde Vorkommen, da sie dicht unter der Erdoberfläche liegen. Er sei das einzige Land, wo sich die Förderung noch steigern lasse. Daneben sei die geostrategische Lage von Bedeutung gewesen. Als wohl grösste Bedrohung für Washington schätze Zumach die Zahlungsabwicklung der Ölgeschäfte in Euro statt Dollar ein. Die extrem hohe Verschuldung der USA lasse sich aber nur finanzieren, wenn man sie auf den Rest der Welt abwälzen könne. Hierzu müsse man die Weltwährung bestimmen. Faktisch lebten die USA auf Pump der restlichen Welt.

Der letzte Teil des Vortrages befasste sich mit den Attentaten vom 11. September und der Entmystifizierung des Antiterrorkrieges. Ein Umdenken in den USA werde nicht einsetzten, wenn nicht dieses Kapitel aufgearbeitet sei. Es gebe mehr als 100 Fragen und Widersprüche zur offiziellen Version der Vorgänge vom 11. September, die nach Antworten und Aufklärung verlangten. Dennoch habe es der Journalismus versäumt, diesen offenen Fragen nachzurecherchieren. Unter Berufung auf den 11. September werde aber ein weltweiter Krieg geführt, dessen Ende nicht absehbar sei.