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Was
Krieg anrichtet:
Kinder aus Tschetschenien zeichnen ihre Erlebnisse
mit einer Photodokumentation von Elisabeth Petersen
Ausstellung in der Offenen Kirche in Sils-Maria/GR vom 2. Februar bis 28. Februar 2006
Der Krieg in Tschetschenien
Der Krieg in Tschetschenien dauert inzwischen mehr als zehn Jahre und hat die Menschen seelisch und körperlich schwer gezeichnet. Morde, Verfolgungen, Säuberungen, Flucht und Vertreibung haben einen unauslöschlichen Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen.
Die Kinder, die die Bilder gemalt haben, leben in Grosny oder als Flüchtlinge in Inguschetien. Sie kennen ihre Heimatstädte oder -dörfer nur im Bombenhagel und als Trümmerwüsten. Mehr als 40 000 Kinder kamen in den letzten 10 Jahren infolge kriegeri¬scher Auseinandersetzungen ums Leben. Über 30 000 sind zu Voll- und Halbwaisen geworden. Mehr als 2/3 der Kinder und Jugendlichen haben aufs schlimmste verstümmelte Tote oder Körperteile gesehen. Nicht we¬nige sind die Opfer der Verminung des Bodens und der überall herumliegenden Granaten geworden. Ihre Körper sind durch die jahrelange Unterernährung, den Einsatz von verbotenen chemischen Waffen, das verschmutzte Wasser und die ständige Angst geschwächt. Viele von ihnen haben noch nie eine Schule besucht oder gehen seit Jahren nicht mehr zur Schule – Schaukeln und Karussells sahen viele zum ersten Mal als Flüchtlinge in Inguschetien.
Eine leise Stimme für Tschetscheniens
Kinder
Mahnmale gegen Krieg und Zerstörung sind die Zeichnungen tschetschenischer Kinder, die Elisabeth Petersen während ihrer Reisen in den Nordkaukasus in Schulen gesammelt hat. Begleitend dazu hat Petersen eine Fotodokumentation aus dem zerstörten Grosny und den Flüchtlingslagern verfaßt. „Was krieg anrichtet“ heisst der schlichte Ausstellungstitel, und die ausgestellten Zeichnungen und Fotografien sprechen für sich, die in ihrer naiven Darstellung die brutale Realität, die Zerstörung, die Hoffnungslosigkeit, die Opfer der Zivilbevölkerung direkt und schonungslos widerspiegeln. Das mit der Kamera festgehaltene Stilleben eines verlassenen Frühstücks- oder Mittagstisches, die zerbombte Häuserkulisse auf einer Kinderzeichnung. Bilder, die ans Herz und unter die Haut gehen und dem alltäglichen Wahnsinn des Krieges ein Gesicht geben.
Eine Welt ohne Krieg kennen ihre Kinder nur aus den Erzählungen der Älteren. Für die Kinder und Jugendlichen in Tschetschenien und allen anderen Kriegsgebieten ist Zeichnen, Malen, Dichten und Tanzen von grosser Bedeutung. Nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern als Möglichkeit, Leid und Bedrängnis nach aussen zu formulieren: die Bombardierung des eigenen Hauses, die Zerstörung der eigenen Schule, die Verwüstung des Gartens, in dem man spielte, geblieben als Bomben¬trichter, die toten Freunde auf der Strasse, die Verschleppung des Vaters und Bruders.
Reaktionen von Schülerinnen und Schülern
Inzwischen ist die Ausstellung an vielen Orten in der Schweiz gezeigt worden. Mehr als zwei tausend Schülerinnen und Schüler jeden Alters und aller Schultypen haben die Ausstellung im Rahmen von Führungen gesehen. Ausgewählte Reaktionen dieser jugendlichen Besucher finden sich unter den Bildern und eröffnen eine neue Ebene: die Überlegungen von Jugendlichen in der Schweiz zu den Darstellungen von Gleichaltrigen in einem Kriegsgebiet.
Zum Bild ‹Geisterstadt Tschernoretsche› von Islam Israilov, Zeltlager Bart, Inguschetien:
«Ich habe das Bild gewählt, weil ich den Krieg hasse, ich kann es mir nicht vorstellen wie diese Kinder leben. Fast jeden Tag von Militärflugzeugen bombardiert zu werden, das ist kein Leben. In meinem Land gab es auch einen Krieg. Viele Menschen haben ihr zu Hause und Familie verloren. Immer wenn ich in die Ferien fahre, sehe ich diese zerstörten Häuser. Es tut im Herzen weh wenn man so ein Bild sieht. Ich verstehe einfach nicht, wie Menschen so grausam sein können.» (Panic Jelena, Berufschule für Detailhandel, Zürich)
Zum Bild ‹Grosny› von Zezag Dukaeva:
«Ich kann nicht genau nachvollziehen, was die Kinder durchmachen, da ich es nicht erlebe (Gott sei Dank), aber ich verstehe sie, wie sie sich fühlen, so hilflos und ohne nichts. Wie ihre Eltern vor ihren Augen erschossen werden, die Häuser vernichtet werden. Sogar die Sonne weint, alles ist grau. Warum ist da noch Krieg? Es ist ja alles schon vernichtet, was gibt es noch zu vernichten?» (F. B., Sekundarschule Auen Frauenfeld)
«Die Ausstellung ergreifend und eindrücklich zu nennen, mag deren Intensität wohl kaum gerecht werden. Wenn man da steht, vor all diesen Kinderzeichnungen, und sich bewusst wird, dass jedes zerstörte Haus, jeder Tropfen Blut und jede gezeichnete Träne einst Wirklichkeit war, ja Wirklichkeit ist, mag man sich fragen, ob das überhaupt möglich ist. Das von all diesen Kindern Erlebte, Gesehene und Gelittene mag unsere Vorstellungskraft zu sprengen, werden wir im Alltag doch kaum mit solcher Grausamkeit und Brutalität konfrontiert. Eine Ausstellung die unter die Haut geht.» (J. L., Kantonsschule Büelrain Winterthur)
Zur Initiantin
Idee, Konzept und Realisation der Ausstellung stammen von Elisabeth Petersen. Sie ist Juristin und Berufsschullehrerin in Zürich. In den letzten Jahren engagierte sie sich für verschiedene Friedensprojekte sowie humanitäre Einrichtungen in Tschetschenien (Schulen, Bibliotheken, Waisenhäuser, Nähwerkstätten) und ermöglichte fünf tschetschenischen Jugendlichen eine Schulausbildung in der Schweiz. Einer dieser jungen Tschetschenen lebt bei ihr und ihrem Mann.
Wir danken Ihnen für Ihren Besuch. Durch Ihr Interesse und Ihre Spende tragen Sie dazu bei, den Kinder und Jugendlichen in Tschetschenien einen Hoffnungsschimmer zu geben und das Gefühl, nicht vergessen zu sein.
Weitere Informationen und Bilder unter www.zeitzeugen.ch oder 044/362.17.65
Elisabeth Petersen, Scheuchzerstr. 212, CH-8057 Zürich
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