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© Mittelland Zeitung ; 01.10.2004 Der Klassiker der Schweizer Fotografen Aarau Das «Forum für Zeitzeugen» erinnert an das Lebenswerk von Werner Bischof (1916 bis 1954). Vor 50 Jahren starb Werner Bischof (1916-1954), der grosse Klassiker der Schweizer Fotografen. Er war Mitglied der Fotoagentur Magnum und einer der aufmerksamsten Betrachter seiner Zeit. Sein Sohn Marco Bischof führte im Rahmen einer Veranstaltung des «Forums für Zeitzeugen/Gegen Gleichgültigkeit und Vergessen» in Leben und Werk seines Vaters ein. Anhand einer von ihm produzierten CD ist das Gesamt-Archiv Werner Bischofs zum ersten Mal vollumfänglich zugänglich. Werner Bischof war ein Perfektionist. Während des Zweiten Weltkrieges, «eingeschlossen in seinen Elfenbeinturm» im Atelier in Zürich-Leimbach, fotografierte er mit umwerfender Genauigkeit Pflanzen und Muscheln. Kaum war der Krieg vorbei, bereiste er das Nachkriegsdeutschland, Italien, Griechenland, Frankreich und Holland. Seine Berichte waren nun dem menschlichen (Nach-)Kriegsleiden gewidmet, als Beitrag zur Gestaltung einer friedfertigen Welt. Das «Gesicht des leidenden Menschen», formulierte er es, wurde zum «Mittelpunkt» seiner Bilder. Marco Bischof führte die Anwesenden in der Aula der Alten Kantonsschule mittels der Projektion seiner CD über die vom 14-jährigen Werner Bischof gezeichnete Weltkarte. Tagebucheinträge und Briefe, die die Bilder begleiten, zeigen die Betroffenheit und den Drang Werner Bischofs, mit Fotos gegen die Schrecken der Welt vorzugehen. Er verspürte den Auftrag des Verschonten, der Welt vom Unheil des Krieges zu berichten. Die Zuhörer des Abends erfuhren aber auch vom Widerstand gegen derartige Berichterstattung. So waren Erklärungen des Chefredaktors der Zeitschrift «du» an die Abonnenten notwendig, als das zerschossene und verbrannte Gesicht eines jungen holländischen Soldaten 1946 auf der Titelseite abgedruckt werden sollte. Ergriffen von den Reisen durch das kriegsversehrte Europa, wendete sich Bischof ganz dem Menschen und insbesondere den Kindern zu. Egal, ob es die hungernden Frauen in Bihar, die Kriegsgefangenen in Korea, die Dorfbevölkerung von Barau oder der Flötenspieler in Peru waren - all seine Fotos zeugen von respektvoller Empathie gegenüber den verschiedenen Völker und Kulturen. Ästhetischer Sinn und soziales Bewusstsein schliessen sich in ihnen nicht aus. Werner Bischofs Werk wurde von seiner Frau Rosellina Burri-Bischof weitergeführt. Nach ihrem plötzlichen Tod vor 16 Jahren übernahm Marco das Archiv. In der angeregten Diskussion bemerkte er, die Rolle des Nachlassverwalters sei ihm zugefallen, und er habe seinen Vater erst über dessen Tagebucheintragungen und Briefe kennen gelernt. Eigentlich habe er sich mit seiner Arbeit seinen Vater erst geschaffen. Zumindest kenne er ihn wohl besser als manch andere Söhne ihre Väter, mit denen sie ein Leben lang zusammen sein konnten. Zu erwerben ist die CD unter www.wernerbischof.com.
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