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Hans
Fiechter: Verarmt, verdingt, gering geschätzt Vom Verdingbub aus dem Emmental zum Pfarrer im Ruhestand
Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden in der Schweiz
Kinder an Verdingmärkten versteigert. Auf zusammengezimmerten Bühnen
führten Behördenvertreter die Waisen-und Armenkinder den Gutsbesitzern
vor. «Es liesse sich eine Menge wirklich grässlicher Geschichten
erzählen über die Behandlung von Verdingkindern, erzählen
von Arm-und Beinzerschlagen, von Schändung von Mädchen und
Knaben», schrieb Jeremias Gotthelf schon 1840. Insgesamt sind
Hunderttausende von Kindern in der Schweiz bis in die sechziger und
siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts verdingt worden. In den Agrarkantonen
war das Verdingwesen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Eines dieser Verdingkinder
war Hans Fiechter, der aus seinem Leben erzählen wird. Geboren
1937 als ältestes von neun Kindern, wurde seine Familie in einem
kleinen Emmentaler Dorf armengenössig. Die Armenfürsorge verdingte
ihn darauf mit sechs Jahren. Sein Bericht über die drei Bauernhöfe,
in denen er plaziert war, klingt wie aus dem 19. Jahrhundert. Da ist
die Rede von Arbeit bis zur völligen Erschöpfung, Essen aus
dem Futtertrog der Schweine, betrunkenen Melkern und Bauern mit sadistischen
Zügen, blutenden Füssen in Holzschuhen und totaler Übermüdung
während der Schulstunden. Erst mit 17 Jahren kam Hans Fiechter
als Knecht in eine Familie, die ihn als Familienmitglied aufnahm. Durch
Hilfe und Glück gelang es ihm, ein Theologiestudium in Basel zu
absolvieren. 1961 wurde er ordiniert und wanderte mit seiner Frau nach
Kanada aus, wo er als Schreiner, Maler, Melker und Schweisser arbeitete
und nebenher als Werkpfarrer eine Gemeinde aufbaute. Nach seiner Rückkehr
in die Schweiz war er 28 Jahre bis zu seiner Pensionierung in der Bernischen
Landeskirche tätig.
Datum/Zeit: Donnerstag, 24. Februar 2005, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Alten Kantonsschule Aarau, Bahnhofstrasse 91
Eintritt: Fr. 20.–/ 10.– ermässigt
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