Joachim Gauck "Deutschland 16 Jahre nach der Wiedervereinigung –
ein Land, zwei Mentalitäten?"

«Nachwirkungen von Diktaturen» ist das Thema, zu dem Joachim Gauck an diesem Abend referieren wird. Von 1991 bis 2000 leitete er die Behörde, die das Aktenerben der DDR- Diktatur verwaltet, dem mit 180 Kilometer Akten grössten, zugänglichen Archiv eines Geheimdienstes. In dieser Funktion wurde Joachim Gauck zu einer Institution in der Auseinandersetzung mit der zweiten deutschen Diktatur.
Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock als Sohn eines Kapitäns geboren. Aus nichtigen Gründen verurteilte die sowjetische Besatzungsmacht seinen Vater 1951 zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien. Dem Kampf gegen dieses Unrechtssystem widmete der Sohn sein Leben. Als Rostocker Pfarrer erlangte er Bekanntheit durch seine offenen und kritischen Worte und war Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstandes gegen die SED-Diktatur. 1989 war er Mitglied des «Neuen Forums» in Rostock, zu dessen Sprecher er bald avancierte. Er leitete die wöchentlichen Gottesdienste und führte die anschliessenden Gross-Demonstrationen an. Vom März 1990 bis zur Wiedervereinigung war er Abgeordneter im ersten freigewählten Parlament (Volkskammer) der DDR. Am 3. Oktober 1990 wurde er «Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik» in Berlin. In der Öffentlichkeit firmierte die 2000-Mitarbeiter-Behörde bald nur noch als «Gauck-Behörde». Für sein Wirken erhielt Joachim Gauck zahlreiche Auszeichnungen. Als Vorsitzender des Vereins «Gegen Vergessen – Für Demokratie» beschäftigt er sich noch heute mit dem Thema der Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen.


Datum/Zeit: Donnerstag, 14. Dezember 2006, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Alten Kantonsschule Aarau, Bahnhofstrasse 91
Eintritt: Fr. 15.-/ Fr. 10.- ermässigt

 
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