Alfred Grosser - "Erben von Verachteten sollten nicht verachten. Zur Politik Israels"

Im Mai jährte sich zum sechzigsten Mal die Gründung des Staates Israel – und auch der Beginn des Nahostkonflikts. Nach der Annahme des UN-Teilungsplans durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen wurden 1947 800’000 Palästinenser vertrieben, 418 palästinensische Dörfer dem Erdboden gleich gemacht und eine Rückkehr in die besetzten Gebiete, ein durch die UN verbürgtes Recht, der Bevölkerung verweigert. Heute baut Israel eine Mauer und bombardiert Gaza.

Mit dem israelischen Machtanspruch kann und will sich Alfred Grosser, Prof. em. am Institut d’études politiques Paris und Friedenpreisträger des Deutschen Buchhandels, nicht abfinden. „Ich bin als kleiner Junge 1933 in Frankfurt gedemütigt worden. Ich kann nicht verstehen, dass Juden demütigen. Es geht auch um das Verständnis für das Leiden der anderen. 1953 habe ich in Paris mein erstes Deutschland-Buch veröffentlicht, in dem es auch viel um deutsches Leid, um Dresden und die Vertreibung ging. Warum? Weil ich glaubte, dass wir von einem jungen Deutschen nur verlangen konnten, dass Ausmass von Hitlers Verbrechen zu begreifen, wenn wir auch Verständnis für das Leid der Seinen zeigten.“ In seinem Vortrag wird Grosser die aktuelle Situation im Nahen Osten beleuchten.
Alfred Grosser, geboren 1925, emigrierte 1933 mit seiner Familie nach Frankreich. 1955 wurde er Professor für Politikwissenschaft in Paris, später Studien- und Forschungsdirektor an der Fondation Nationale des Sciences Politiques. Er war Mitarbeiter vieler Zeitungen und Fernsehanstalten und Autor zahlreicher Publikationen. Vor allem für seine Bemühungen
zur deutsch-französischen Verständigung erhielt er vielfache Ehrungen.

Datum/Zeit: Donnerstag, 26. Juni 2008, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Alten Kantonsschule, Bahnhofstrasse 91, Aarau
Eintritt: Fr. 15.-/ Fr. 10.- ermässigt


 
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