![]() |
„Das Warme Haus: Hilfe für Kriegskinder aus Tschetschenien in Moskau“ Die Russin Natascha Nelidova, geboren in der heutigen
Ukraine, ist Psychologin und Kindergärtnerin. 1996 gründete
sie in Moskau das «Warme Haus» (Tjoply Dom), ein Hilfsprojekt
für tschetschenische Flüchtlingskinder und deren Mütter.
Zusammen mit vier Mitarbeitern bietet sie zwischen 30 und 40 vom Krieg
traumatisierten Kindern, oft Waisen oder Halbwaisen, ein Zuhause. Der
Krieg Russlands im Kaukasus hat mehr als 400 000 Menschen zu Flüchtlingen
gemacht. Auf Grosny fielen mehr Bomben als auf Berlin im Zweiten Weltkrieg.
Tschetschenische Familien mit ihren Kindern, die nach Moskau flüchteten,
erleben dort Schikanen und Feindseligkeiten. Ständige Kontrollen,
die Furcht geschlagen und angepöbelt oder im schlimmsten Fall verhaftet
zu werden, begleiten die Flüchtlinge ständig. Registrierungen
werden willkürlich verweigert, stets neue Papiere verlangt und
Unsummen von Schmiergeldern kassiert. Schul- und Arztbesuch sind ohne
Registrierung jedoch unmöglich. Im propagandistisch geschürten
öffentlichen Klima, in dem alle Tschetschenen als «Banditen»
verunglimpft werden, bleibt für Mitleid und Hilfe gegenüber
den Flüchtlingskindern nur wenig Platz. Umso erstaunlicher ist
daher das Projekt von Natascha Nelidova in der 11-Millionen-Metropole
Moskau. Im «Warmen Haus» wird gemeinsam gegessen, gespielt,
getanzt, geholfen bei der Wohnungssuche und bei Problemen mit Behörden
oder bei den Hausaufgaben. Indem die Kinder erleben, dass es auch noch
andere Russen gibt als die Besatzungssoldaten in ihrer Heimat, ist das
Projekt eines der wenigen zukunftweisenden in einem von der internationalen
Politik beiseite geschobenen Konflikt. |
©
Forum für Zeit-Zeugen 2003 | designd by crabb |
||||||