„40. Jahrestag des Mauerbaus in Berlin“

Herr Hartmut Richter wurde 1948 in Glindow bei Werder in der sowjetischen Besatzungszone geboren. Nach Oberschule und Abitur in Potsdam machte er die Ausbildung zum Betriebs- und Verkehrseisenbahner. Seine jugendliche Begeisterung für den Sozialismus mit Lenin als persönlichem Vorbild wich angesichts alltäglicher Erfahrung der Ernüchterung. Den Bau der Mauer am 13. August 1961 erlebte er in Berlin. Mit 18 Jahren unternahm er einen ersten erfolglosen Fluchtversuch über die CSSR nach Österreich, der ihm eine viermonatige Haftstrafe einbrachte. Kurz nach seiner Entlassung, im August 1966, durchschwamm er in einer abenteuerlichen Aktion den Teltowkanal nach Westberlin. Als Steward fuhr er einige Jahre zur See. Wieder in Deutschland verhalf er 33 Menschen zur Flucht aus der DDR, bis er 1975 beim Versuch, seine im Kofferraum versteckte Schwester in den Westen zu holen, entdeckt und zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde. In der Haft beeinflusste er mit seinem ungebrochenen Widerstandswillen seine Mitgefangenen derart, dass er vom Zuchthaus Rummelsburg ins berüchtigte Bautzen II verlegt wurde.
Im Oktober 1980 wurde er von der Bundesregierung frei gekauft, galt aber bis zur Wende dem Ministerium für Staatssicherheit «als feindliches Objekt im Operationsgebiet, das es zu liquidieren gilt». Aufgrund der Akten lassen sich verschiedene Operativvorgänge gegen seine Person mit Ziel der «Zersetzung« und «Diffamierung» nachweisen. Nach verschiedenen Berufstätigkeiten beschäftigte er sich ab 1998 mit Recherchen zu den ostdeutschen Internierungslagern und wurde Mitarbeiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, des Museums am Checkpoint Charlie und der Mauergedenkstätte Bernauerstrasse.

Datum/Zeit: Donnerstag, 30. August 2001, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Alten Kantonsschule Aarau
Eintritt: Fr. 20.–/Fr. 10.– ermässigt

 
© Forum für Zeit-Zeugen 2003 | designd by crabb