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„Kindheit
im Berlin des Zweiten Weltkrieges“
Gisela Ruden wurde 1937 in Berlin-Mitte geboren, ihre
Familie wohnte damals am Alexanderplatz. Bei Kriegsbeginn, als ihr Vater
eingezogen wurde, war sie zwei Jahre alt, beim Friedensschluss 1945
acht. Der Krieg wurde für sie zum Alltag. «Ich dachte, der
Krieg ist das Leben». Zusammen mit ihrer Mutter und der jüngeren
Schwester lebte sie in einem Berliner Mietshaus. Ab Mitte 1943 begannen
die Alliierten mit der Bombardierung der Stadt. Nächtliche Fliegeralarme,
kaum eine Nacht mehr im eigenen Bett, brennende und einstürzende
Häuser, Beerdigungen von Freunden und der Kampf ums nackte Überleben
bestimmten ihr Leben, der Keller wurde zum zweiten Zuhause.
Nach dem 8. Mai 1945 erlebte Gisela Ruden die Russen und Amerikaner
als Besatzungsmacht und den Aufbau der im Kern zu 80% zerstörten
Innenstadt durch die Trümmerfrauen. Die Mutter versuchte die Familie
mit Gelegenheitsarbeiten durchzubringen. Immer mehr geflüchtete
Verwandte drängten sich in der ausgebombten Wohnung zusammen und
schliesslich kehrt der durch den Krieg traumatisierte Vater aus der
amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück.
Die Erzählung von Gisela Ruden ist eingebettet in die Lesung von
Auszügen aus dem Roman Vergeltung von Gerd Ledig. Ledigs ungemein
beklemmender Text, der das Horrorszenario eines alliierten Luftangriffes
auf eine deutschen Grossstadt beschreibt, war nahezu vergessen. Aufgelegt
wurde er erst wieder nach den vielbeachteten Vorlesungen und Essays
G.W. Sebalds zum Thema «Luftkrieg und Literatur». Sebalds
Vorwurf der «Unfähigkeit einer ganzen Generation deutscher
Autoren, das Grauen, was sie gesehen hatten, aufzuzeichnen und einzubringen
in unser Gedächtnis», steht nach wie vor im Raum. Gelesen
werden die Auszüge von Sylvan Guntern, Ex-Radiosprecher bei Radio
DRS.
Datum/Zeit: Donnerstag, 20. Dezember 2001, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Alten Kantonsschule Aarau, Bahnhofstrasse 91
Eintritt: Fr. 20.–/Fr. 10.– ermässigt
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