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© Aargauer Zeitung / MLZ; 27.03.2002; Seite 1 «Es mangelt am Elementarsten» AARAU · Im Forum für Zeitzeugen sprach von Sponeck Der ehemalige UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Irak, Hans C. Graf von Sponeck, sprach im Forum für Zeit-Zeugen zum Thema «Gegen Gleichgültigkeit und Vergessen». Er war von 1998 bis Februar 2000 der Koordinator der humanitären Hilfe im Irak und Leiter des UN-Programms «Öl gegen Nahrungsmittel». Das 1990 verhängte UN-Handels-, Finanz- und Waffenembargo war die unmittelbare Antwort auf die Invasion und Annexion Kuwaits durch den Irak. Aus Protest gegen die Wirtschaftssanktionen trat von Sponeck nach zwei Amtsjahren, wie bereits sein Vorgänger Dennis Halliday, damals stellvertretender Generalsekretär der UNO, von seinem Posten zurück. Das Handelsembargo gegen den Irak, berichtet von Sponeck am Abend in der voll besetzten Aula der Alten Kantonsschule, verfehle sein Ziel. Der Zivilbevölkerung würde in einem Masse Schaden zugefügt, dass es in keinem vertretbaren Verhältnis zum Zweck seiner Aufrechterhaltung stehe. Bereits ein halbes Jahr nach Beginn des Embargos sprach der damalige UN-Vertreter Maetti Ahtisaari von einer «apokalyptischen» Realität und stellte fest, dass der Irak, einstmals eines der fortschrittlichsten Länder der arabischen Welt, in ein vorindustrielles Zeitalter zurückgeworfen werde. Heute liege die Kindersterblichkeit im Irak bei 5000 Kindern pro Monat. Unterernährung, Hunger und der Mangel an sauberem Trinkwasser seien die Ursache. Es fehle an Arbeit und Wohnungen. Die meisten Schulhäuser seien zerstört, es mangelt am Elementarsten. Die Menschen seien gezwungen, sich mit Bettelei, Prostitution, Korruption, Diebstahl, Kinderarbeit, Schmuggel und dergleichen am Leben zu erhalten. Von Sponeck verlor mit fünf Jahren seinen Vater, damals Wehrmachtsoffizier, als dieser zum Schutz seiner Truppe einen Befehl Hitlers verweigerte und 1944 hingerichtet wurde. Seine Mutter wurde daraufhin in ein Konzentrationslager verschleppt. Nicht zuletzt diese Erlebnisse waren es, die von Sponeck drei Jahrzehnte bis zu seinem Rücktritt im Dienste der UNO auf der ganzen Welt arbeiten liessen: in Ghana, Pakistan, Botswana, Indien und der Türkei. Auch heute noch glaubt er an die unersetzbare Rolle der UNO, zeigt sich aber mehr als enttäuscht vom Verhalten des UN-Sicherheitsrates. Er sei seiner Verpflichtung der systematischen und kontinuierlichen Beobachtung der Folgen der Sanktionspolitik nicht nachgekommen. Der Irak sei völlig demilitarisiert. Das Land verfüge weder über das Geld noch die Technik, um biologische oder chemischen Waffen einsetzen zu können.
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