![]() |
| Medien |
© Mittelland Zeitung; 25.08.2004
Aus einem zerbombten Land aarau Das Forum für ZeitZeugen beschäftigt sich mit Tschetschenien Tschetschenien ist das Schlimmste vom Schlimmsten, so der Eindruck von Mitgliedern von Hilfsorganisationen und Journalisten. Vor Ort war auch Elisabeth Petersen. Im Frühsommer begleitete sie die tschetschenische Austauschschülerin Zulikhan Asukhanova in ihre Heimat. Beide berichteten im Rahmen des «Forums für Zeit-Zeugen / Gegen Gleichgültigkeit und Vergessen» in der Aula der Alten Kantonsschule von ihrem Aufenthalt im Kriegsgebiet. Die ersten Eindrücke im Flüchtlingslager in Inguschetien, der Nachbarrepublik von Tschetschenien, sind für Zulikhan Asukhanova zwiespältig: überwältigende Freude, die Familie und Verwandte wieder zu sehen, aber auch das Vermissen der Nachbarn und Freunde, die dem Druck der russischen Behörden nicht mehr standgehalten und das Lager in eine unbekannte Zukunft verlassen haben. Zulikhan berichtet von der Bombardierung des Marktplatzes 1999, nennt die Hunderten von Toten dieses Angriffs, die verzweifelte Suche nach Hilfe in den völlig überfüllten Krankenhäusern, beschreibt die anschliessende Flucht mit ihrer Mutter nach Inguschetien, die ständige Angst um den Vater und die Geschwister. Das Leben im heutigen Grosny lässt sich mittels der Bilder, die Elisabeth Petersen zeigt, nur erahnen. Sie informiert über die Lage in Inguschetien. Alle Flüchtlingslager sind aufgelöst. Die Menschen, die hier Unterschlupf suchten, werden zurückgetrieben in die Ruinen von Grosny oder die zerbombten und vermienten Dörfer Tschetscheniens. Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit ist der Krieg auf die Nachbarrepubliken ausgeweitet worden. Inzwischen sind auch hier Todesschwadronen unterwegs, vor allem nachts. Seit Ende Februar verschwanden mehr als 60 Menschen spurlos. Drei Jahre schon sind Klagen von Tschetschenen vor dem Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg hängig, die, obwohl unwiderlegbare Beweise für die Gräueltaten vorliegen, bis heute nicht entschieden sind. Drei der sechs Kläger und Klägerinnen sind mittlerweile umgebracht worden. Die internationale Gemeinschaft schweigt zu den Verbrechen.
|
|
|